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GLAUBE · SITTE · HEIMAT

Die Geschichte der
Schützenbruderschaften

Von der Bürgerwehr zur lebendigen Gemeinschaft

Wenn heute beim Schützenfest die Fahnen ausgerollt werden, die Schützen in ihren Uniformen durch den Ort marschieren und Jung und Alt gemeinsam feiern, dann ist dies weit mehr als ein schönes Fest.
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Eine Geschichte, die verbindet

Hinter diesen Bildern steht eine Geschichte, die viele Jahrhunderte zurückreicht.

Schützenbruderschaften gehören zu den ältesten Formen bürgerschaftlicher Gemeinschaft in Deutschland. Ihre Entwicklung ist eng mit der Geschichte unserer Städte und Dörfer, mit Kirche und Religion, mit dem Schutz der Gemeinschaft und schließlich mit dem modernen Vereinsleben verbunden.

Dabei hat sich die Aufgabe der Schützen im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert. Aus Gemeinschaften, die ursprünglich auch der Verteidigung dienten, wurden Vereinigungen, in denen Gemeinschaft, Brauchtum, Sport, soziales Engagement und Heimatpflege im Mittelpunkt stehen.

Historischer Holzstich des Bremer Schützen- und Volksfestes von 1846
Historischer Holzstich · Schützen- und Volksfest Oberneuland · 1846
01 · MITTELALTER

Die Anfänge im Mittelalter

Die Wurzeln des Schützenwesens reichen bis ins Mittelalter zurück. In einer Zeit, in der Städte und Gemeinden ihre Sicherheit vielfach selbst organisieren mussten, bildeten sich Gemeinschaften von Bürgern, die den Umgang mit Waffen übten.

Die ursprünglichen Schützengesellschaften waren Gemeinschaften, die unter anderem der Selbstverteidigung der Städte dienten. Besonders das Schießen mit der Armbrust spielte eine wichtige Rolle im Schützenwesen.

Die Mitglieder waren somit nicht einfach Sportschützen im heutigen Sinne. Ihre Fähigkeiten konnten im Ernstfall für die Verteidigung der eigenen Stadt oder Gemeinde von Bedeutung sein.

Gleichzeitig entwickelte sich rund um das Schießen ein eigenes gesellschaftliches Leben.
02 · SCHÜTZENTRADITION

Schießen, Gemeinschaft und Feier

Wettbewerbe, Schützenfeste und gemeinsame Feiern wurden zu festen Bestandteilen des Jahresablaufs. Das Schießen war nicht nur Übung und Ausdruck der Wehrhaftigkeit, sondern wurde zunehmend auch mit gesellschaftlichem Leben verbunden.

Ein eindrucksvolles historisches Zeugnis ist das 1903 entstandene Werk von Ernst Jordan, das ein Pfingstschießen auf Lauenrode bei Hannover zeigt. Dargestellt ist das Schießen mit der Armbrust auf einen Vogel am sogenannten Papageienbaum.

Aus Wehrhaftigkeit wurde Tradition – aus Tradition wurde Gemeinschaft.
Ernst Jordan, Pfingstschießen auf Lauenrode, 1903
Ernst Jordan · Pfingstschießen auf Lauenrode · 1903
Schützenfest der Junggesellenbruderschaft in Königswinter 1904
Schützenfest der Junggesellenbruderschaft Königswinter · 1904
03 · GLAUBE UND BRUDERSCHAFT

Schützen, Kirche und Bruderschaft

Neben der ursprünglichen Aufgabe des Schutzes entwickelte sich eine enge Verbindung zwischen Schützenwesen und christlichem Glauben.

Viele Schützengemeinschaften waren als Bruderschaften organisiert. Religiöse Feste, Prozessionen, die Verehrung von Schutzpatronen und die Unterstützung von Menschen in Not gehörten zum gemeinschaftlichen Leben.

Gerade im Rheinland und in Westfalen entstanden zahlreiche katholisch geprägte Schützenbruderschaften.

Der Begriff „Bruderschaft“ bezeichnet dabei einen wichtigen Gedanken: Man verstand sich nicht lediglich als Verein mit gemeinsamen Interessen, sondern als Gemeinschaft, in der die Mitglieder füreinander Verantwortung übernahmen.

Glaube · Gemeinschaft · Verantwortung
04 · VOM BÜRGERWEHRWESEN

Vom Bürgerwehrwesen zum Schützenfest

Mit der Entwicklung moderner Staaten und stehender Heere verlor die ursprüngliche militärische Bedeutung der Schützengemeinschaften zunehmend an Gewicht.

Das Schützenwesen verschwand jedoch keineswegs.

Im Gegenteil: Das gesellschaftliche Leben rund um die Schützen entwickelte sich weiter.

Das Schützenfest wurde zum Höhepunkt des Vereinsjahres. Das Königsschießen, die Ermittlung des Schützenkönigs, der Festzug, die Musik und das gemeinsame Feiern wurden zu festen Bestandteilen der Tradition.

Die Aufgabe veränderte sich – die Gemeinschaft blieb.
Einzug der Schützen beim Schützenfest Hannover um 1900
Einzug der Schützen beim Schützenfest Hannover · um 1900
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05 · HEUTE

Tradition lebt weiter

Heute stehen Schützenbruderschaften für weit mehr als die Bewahrung alter Bräuche. Sie verbinden Tradition und Moderne, Gemeinschaft und Verantwortung.

Sie schaffen Begegnungen, pflegen Freundschaften, unterstützen das gesellschaftliche Leben und geben jungen Menschen die Möglichkeit, Teil einer gewachsenen Gemeinschaft zu werden.

Auch wenn sich die Aufgaben und die Welt um uns herum verändert haben, ist eines geblieben: der Gedanke der Gemeinschaft.

GLAUBE · SITTE · HEIMAT
Eine Tradition, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet.
HISTORISCHE BILDQUELLEN

Die verwendeten historischen Motive stammen aus Wikimedia Commons und sind dort als gemeinfrei bzw. frei von bekannten urheberrechtlichen Beschränkungen ausgewiesen.

Holzstich „Bremer Schützen- und Volksfest zu Oberneuland“ (1846) · Ernst Jordan, „Pfingstschießen auf Lauenrode“ (1903) · Schützenfest der Junggesellenbruderschaft Königswinter (1904) · Ludwig Hemmer, „Einzug der Schützen in’s Rundteil“, Hannover (ca. 1900)

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