Die Geschichte der
Schützenbruderschaften
Von der Bürgerwehr zur lebendigen Gemeinschaft
Eine Geschichte, die verbindet
Hinter diesen Bildern steht eine Geschichte, die viele Jahrhunderte zurückreicht.
Schützenbruderschaften gehören zu den ältesten Formen bürgerschaftlicher Gemeinschaft in Deutschland. Ihre Entwicklung ist eng mit der Geschichte unserer Städte und Dörfer, mit Kirche und Religion, mit dem Schutz der Gemeinschaft und schließlich mit dem modernen Vereinsleben verbunden.
Dabei hat sich die Aufgabe der Schützen im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert. Aus Gemeinschaften, die ursprünglich auch der Verteidigung dienten, wurden Vereinigungen, in denen Gemeinschaft, Brauchtum, Sport, soziales Engagement und Heimatpflege im Mittelpunkt stehen.
Die Anfänge im Mittelalter
Die Wurzeln des Schützenwesens reichen bis ins Mittelalter zurück. In einer Zeit, in der Städte und Gemeinden ihre Sicherheit vielfach selbst organisieren mussten, bildeten sich Gemeinschaften von Bürgern, die den Umgang mit Waffen übten.
Die ursprünglichen Schützengesellschaften waren Gemeinschaften, die unter anderem der Selbstverteidigung der Städte dienten. Besonders das Schießen mit der Armbrust spielte eine wichtige Rolle im Schützenwesen.
Die Mitglieder waren somit nicht einfach Sportschützen im heutigen Sinne. Ihre Fähigkeiten konnten im Ernstfall für die Verteidigung der eigenen Stadt oder Gemeinde von Bedeutung sein.
Schießen, Gemeinschaft und Feier
Wettbewerbe, Schützenfeste und gemeinsame Feiern wurden zu festen Bestandteilen des Jahresablaufs. Das Schießen war nicht nur Übung und Ausdruck der Wehrhaftigkeit, sondern wurde zunehmend auch mit gesellschaftlichem Leben verbunden.
Ein eindrucksvolles historisches Zeugnis ist das 1903 entstandene Werk von Ernst Jordan, das ein Pfingstschießen auf Lauenrode bei Hannover zeigt. Dargestellt ist das Schießen mit der Armbrust auf einen Vogel am sogenannten Papageienbaum.
Schützen, Kirche und Bruderschaft
Neben der ursprünglichen Aufgabe des Schutzes entwickelte sich eine enge Verbindung zwischen Schützenwesen und christlichem Glauben.
Viele Schützengemeinschaften waren als Bruderschaften organisiert. Religiöse Feste, Prozessionen, die Verehrung von Schutzpatronen und die Unterstützung von Menschen in Not gehörten zum gemeinschaftlichen Leben.
Gerade im Rheinland und in Westfalen entstanden zahlreiche katholisch geprägte Schützenbruderschaften.
Der Begriff „Bruderschaft“ bezeichnet dabei einen wichtigen Gedanken: Man verstand sich nicht lediglich als Verein mit gemeinsamen Interessen, sondern als Gemeinschaft, in der die Mitglieder füreinander Verantwortung übernahmen.
Vom Bürgerwehrwesen zum Schützenfest
Mit der Entwicklung moderner Staaten und stehender Heere verlor die ursprüngliche militärische Bedeutung der Schützengemeinschaften zunehmend an Gewicht.
Das Schützenwesen verschwand jedoch keineswegs.
Im Gegenteil: Das gesellschaftliche Leben rund um die Schützen entwickelte sich weiter.
Das Schützenfest wurde zum Höhepunkt des Vereinsjahres. Das Königsschießen, die Ermittlung des Schützenkönigs, der Festzug, die Musik und das gemeinsame Feiern wurden zu festen Bestandteilen der Tradition.
Tradition lebt weiter
Heute stehen Schützenbruderschaften für weit mehr als die Bewahrung alter Bräuche. Sie verbinden Tradition und Moderne, Gemeinschaft und Verantwortung.
Sie schaffen Begegnungen, pflegen Freundschaften, unterstützen das gesellschaftliche Leben und geben jungen Menschen die Möglichkeit, Teil einer gewachsenen Gemeinschaft zu werden.
Auch wenn sich die Aufgaben und die Welt um uns herum verändert haben, ist eines geblieben: der Gedanke der Gemeinschaft.
Die verwendeten historischen Motive stammen aus Wikimedia Commons und sind dort als gemeinfrei bzw. frei von bekannten urheberrechtlichen Beschränkungen ausgewiesen.
Holzstich „Bremer Schützen- und Volksfest zu Oberneuland“ (1846) · Ernst Jordan, „Pfingstschießen auf Lauenrode“ (1903) · Schützenfest der Junggesellenbruderschaft Königswinter (1904) · Ludwig Hemmer, „Einzug der Schützen in’s Rundteil“, Hannover (ca. 1900)

